Johanna Birke Organic Clothing

Auch Mode kann und sollte ökologisch sein

Johanna-Birke-Banner

Ökologische und nachhaltige Mode – Begriffe, die uns mittlerweile immer häufiger begegnen und das ist ein großartiges Zeichen, finden wir von Vortoverdo. Denn es bedeutet, dass sich immer mehr Menschen um einen bewussteren Umgang mit Anziehsachen bemühen.
Und in diesem Bestreben werden sie auch zunehmend unterstützt: Viele Siegel erleichtern es einem, Anziehsachen mit nachhaltigem Anspruch zu finden und immer mehr Modelabels und sogar Textildiscounter bieten Mode mit diesen Nachhaltigkeitssiegeln an.

Ja, ihr habt ganz richtig gelesen, Textildiscounter und Nachhaltigkeitssiegel, klingt irgendwie abwegig. Der Grund für diese etwas widersprüchliche Kombination ist die Tatsache, dass sich die meisten Siegel nur auf einzelne Stationen der Herstellungskette, wie zum Beispiel die Arbeitsbedingungen oder die ökologischen Standards beziehen.
Natürlich gibt es auch sehr vertrauenswürdige Siegel wie GOTS oder Naturland.

Viel übersichtlicher wird das Ganze jedoch, wenn man nicht nur die ökologische Qualität und faire Herstellung der verwendeten Materialien zertifiziert bekommt, sondern auch absolute Transparenz, was die Herstellung betrifft. Wenn man sich also selbst von der fairen und ökologischen Herstellung der Sachen, die man später am Körper trägt, überzeugen kann.
Diese Möglichkeit bietet sich uns doch vor allem, wenn wir bei den kleinen Modelabels einkaufen, wo alle Schritte nachvollziehbar und persönlich sind. Wir haben eins von dieser Art gefunden, das wir euch gern vorstellen möchten.

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Quelle: Johanna Birke

Wir hatten die wunderbare Chance, mit Johanna Birke zu sprechen. Sie ist selbst Schneiderin und Modedesignerin, und außerdem Besitzerin eines eben solchen kleinen Modelabels, mit dem sie sich ökologischen Anziehsachen und einer auf allen Ebenen nachhaltigen Herstellung verschrieben hat: Johanna Birke Organic Clothing.

Schon während Ihrer Ausbildung zur Schneiderin war für sie klar, dass ihre Sachen später einmal ökologisch sein sollten. Aufgewachsen mit einem Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Biolebensmittel wollte sie die gleichen Ansprüche auch an ihre Anziehsachen stellen.

Schon früh schaute Johanna ihrer Großmutter beim Nähen über die Schulter, später entdeckte sie dann in Australien, in einem abgelegenen Dorf, ihre eigene Liebe zum Nähen. Damals entstanden ihre ersten Schnitte und Pullis, von denen sie uns heute lachend erzählt, sie wären alles andere als das Gelbe vom Ei gewesen. Damals….und heute sieht das Ganze schon völlig anders aus.

Zurück aus Australien machte Johanna zunächst bei einer Schneiderin ein Praktikum, an welches sich nahtlos eine sehr vielfältige Ausbildung anschloss. Vom Kopfschmuck über Taschen, bis zur Brautmode lernte sie in diesem Betrieb alles, was eine vollkommene Schneiderkunst ausmacht.

Schon neben der Ausbildung verfolgte sie begeistert ihren Wunsch, ökologische Mode herzustellen. Sie probierte einige Hersteller von Biostoffen aus, kaufte aber auch Restposten und färbte diese selber ein. Im Anschluss an die Ausbildung fing Johanna an der HTW in Berlin ihr Modedesign-Studium an.

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Quelle: Johanna Birke

Auch dort verfolgte sie, zwar mit ein paar anfänglichen Durchsetzungsschwierigkeiten, jedoch sehr leidenschaftlich ihr Ziel, ökologische und gleichzeitig tragbare, alltagstaugliche Mode zu designen. Es sollte keine Mode werden, die unnötigen Müll produziert, weil sie keiner tragen kann und sie deswegen nur im Schrank rumhängt. In ihrer Abschlussarbeit, die letztendlich ganz sie selbst widerspiegelte, konnte sie genau das zeigen.

Nach dem Abschluss gründete die Modedesignerin im letzten Herbst ihr kleines Label, Johanna Birke Organic Clothing, und arbeitet seither an dessen Ausbau. Während sie zunächst ausschließlich mit Stoffen aus 100% natürliche Fasern arbeitete, ist sie im Laufe des letzten Jahres dazu übergegangen, für die Bündchen ihrer Pullis auch Stoffe mit etwas Elastan zu verwenden, da es den Tragekomfort deutlich verbessert: Alles im Sinne der ökologischen, jedoch gleichzeitig alltagstauglichen Mode.

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Quelle: Johanna Birke

Ein Ziel, welches ganz deutlich eine Entwicklung widerspiegelt, die nicht nur wir, sondern auch Johanna beobachten konnten: Ökologische Mode durchlebt zur Zeit einen klaren Imagewechsel. Johanna erzählte uns, als sie angefangen habe zu nähen, sei Ökomode noch gleichbedeutend mit „Kartoffelsack“ gewesen. Heute ist sie in vielen Kreisen schon ein richtiger Trend. Nicht zuletzt wegen all der kleinen und großen Modelabels, die sich wie Johanna dafür einsetzen, dass grüne Mode stylisch ist.

Wir haben Johanna gefragt, ob sie glaubt, nachhaltige Mode müsse preiswert sein, um auf dem breiten Markt Fuß fassen zu können. Doch sie berichtete uns, sie mache regelmäßig die gegenteilige Erfahrung, nämlich, dass Leute, die neben dem Aussehen auch Wert auf die nachhaltigen Aspekte der Kleidung legen, sehr gut nachvollziehen können, dass das seinen Preis hat, den sie auch gerne dafür bezahlen.

Neben Biostoffen verwendet Johanna auch recycelte Stoffe. Zum Beispiel nimmt sie alte Wollpullis, die sie mit ihren eigenen Stoffen und Schnitten kombiniert und so neue Pullover entstehen lässt. Die Wollpullis bekommt sie Second Hand, von Flohmärkten aber auch von Freunden, denn mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass sie eine dankbare Abnehmerin für alte Wollpullis ist.

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Quelle: Johanna Birke

Für die Schnitte ihrer Pullis lässt sie sich meist von Kundenwünschen oder von den Stoffen selber inspirieren. In einer lustigen Geschichte zu einem mit Fahrrädern bedruckten Stoff, erzählte Johanna uns, dass sie alle Hebel in Bewegung setzt, um einen Stoff zu bekommen, der es ihr wirklich angetan hat. Auf ihrer Facebookseite kann man noch Fotos der Modelle aus diesem „sagenumwobenen“ Stoff anschauen.

Für ihre Anziehsachen verwendet die gelernte Schneiderin ausschließlich Bio- und Recyclinggarne. Und neben ihrem Wollpullirecyclingprojekt hat sie auch bereits einigen anderen Stoffen zu neuem Leben verholfen. Wie zum Beispiel in dem Projekt Regen- beziehungsweise Windjacken aus alten Zeltstoffen, -gummibändern und -reißverschlüssen zu machen.

Ihr neuestes Recycling-Projekt und ganzer Stolz, (und wir sind auch ein bisschen stolz, weil wir ganz exklusiv davon berichten dürfen) ist eine kleine nachhaltige Brautkleidkollektion.

Das erste Teil der Kollektion, ein wunderschönes Modell aus recyceltem Baumwollbetttuch. Den Stoff hat sie mit schwarzem Tee gefärbt und ihm so ein edles, gedecktes Weiß verliehen. Kombiniert wird die recycelte Baumwolle mit wunderschöner feiner Bioseide. Wir sind begeistert von der Aussicht auf grüne Brautmode von Johanna Birke.

Aber auch das Gespräch mit Johanna hat uns nachhaltig beeindruckt und wir sind überzeugt: hier gibt es so viel mehr, als nur das typische Stangenprodukt. Bei Johanna Birke kauft man nicht nur ein Kleidungsstück, sondern ein nachhaltiges, kreatives Meisterwerk, hinter dem die Geschichte und Persönlichkeit der Person steht, die es entworfen und hergestellt hat.

 

LB

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